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Gedenken für die Vergessenen PDF Drucken

Himmighausen weiht am Ehrenmal eine Tafel für 13 gestorbene sowjetische Kriegsgefangene ein

Himmighausen (nw). Mit einem feierlichen und bewegenden Festakt sind am Wochenende unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am Ehrenmal in Himmighausen drei Steintafeln eingeweiht worden, die an das Schicksal von 13 sowjetischenKriegsgefangenen erinnern. Die Opfer waren in Himmighausen als Zwangsarbeiter der Reichsbahn ums Leben gekommen.

"Die Schuld wirkt nach" | FOTO: BIRGIT ISCHEN


Mehr als 66 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges falle es nicht immer leicht, einen Bezug zur Aktualität herzustellen, sagte Nieheims Bürgermeister Rainer Vidal. Zu oft habe man in der Vergangenheit lediglich um die Gefallenen und Vermissten der eigenen Nationalität getrauert und dabei vergessen, auch die Kriegstoten anderer Länder mit einzubeziehen. Er sei fest davon überzeugt, dass "die Schuld nachwirkt", betonte Vidal und bat den 1. Botschaftssekretär der russischen Föderation, Wladimir Kukin, um Verzeihung für das Unglück, das die deutschen Soldaten über das russische Volk gebracht haben.

Die Erinnerung an den II. Weltkrieg bleibe lebendig, sagte Kukin. Angesichts von 27 Millionen Opfern allein auf russischer Seite grenze es "fast an ein Wunder", dass die Mehrheit seines Volkes die Deutschen als Freunde betrachte. "Heute können wir uns über den Gräbern die Hand reichen. Unsere Freundschaft zu pflegen, ist eine Pflicht gegenüber den Gefallenen", sagte Kukin, der zusammen mit seiner Gattin Galina nach Himmighausen gekommen war. Die Aufstellung der Gedenktafeln sei "eine Geste zur Wiederherstellung der Würde der Toten" und habe in seiner Botschaft "ein breites Echo gefunden".

Auch Stefan Schmidt, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, dankte dem Himmighäuser Heimatschutzverein und den Bürgern dieses Ortes für die Initiative. Sie sei "etwas ganz Besonderes", ein "tröstlicher,versöhnlicher und zukunftsweisender Akt gegen übersteigerten Nationalismus und Rassismus,ein Wegweiser in eine friedliche Zukunft". Er habe die Hoffnung, dass noch viele andere Gemeinden diesem Beispiel folgen, sagte Schmidt und erinnerte daran, dass von den 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen etwa drei Millionen in deutschen Lagern ums Leben gekommen sind. Auch in Himmighausen hatte es viele Jahrzehnte gedauert, bis man diesen Opfern ein würdiges Andenken gab. Als die Bürger des Ortes 1960 ihren Kriegstoten ein Denkmal errichteten, regte der Bürger Wilfried Hanßen zunächst vergeblich an, auch an die sowjetischen Kriegsgefangenen zu erinnern, die als Zwangsarbeiter bei der Reichsbahn in Himmighausen ums Leben gekommen waren.

Ihre zwei Gräber, die sich außerhalb des Ortes befanden, waren 1960 exhumiert und die Toten auf das Gelände des sowjetischen Soldatenfriedhofs in Stukenbrock umgebettet worden. Mit Hilfe der Dokumentationsstätte konnten von den 13 Toten fünf namentlich ermittelt werden. Die Namen wurden nun mit weißer Schrift in eine schwarze Tafel eingraviert. Auch die alten Grabsteine mit kyrillischer Schrift wurden vor einiger Zeit noch gefunden. Der junge Himmighäuser Florian Niggemann hatte sich in der Feldflur auf die Suche danach gemacht. Die beiden alten Grabsteine umrahmen nun die neue Gedenktafel am Himmighäuser Ehrenmal. "Je mehr wir in dieses Thema eingestiegen sind, desto mehr kam der innere Druck, etwas tun zu müssen", sagte der 1. Vorsitzende des Heimatschutzvereins, Alfons Lange. "Uns wurde klar, dass wir der sowjetischen Mitmenschen in gleicher Weise zu gedenken haben, wie unserer eigenen Toten und Vermissten." Mit der Einweihung des integrierten Ehrenmales wolle man nun "ein kleines Zeichen der Versöhnung auch in Himmighausen setzen", sagte er.

Diakon Wilhelm Otten weihte die Gedenksteine ein. Anschließend legten 13 Schützen verschiedener Generationen, darunter auch Wilfried Hanßen, am Mahnmal eine rote Rose nieder. Friedenstauben wurden in die Luft gelassen. Das Blasorchester Himmighausen und die Blaskapelle Reelsen spielten das Stück "Ich bete an die Macht der Liebe". Es regnete in Strömen. Der Regen sei wohl ein Sinnbild für die Tränen, die während des II. Weltkriegs vergossen wurden, hatte Bürgermeister Rainer Vidal gesagt. (Quelle: NW-Höxter)

 

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