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9. Schulcafé - Ortsteil Himmighausen-Bahnhof PDF Drucken

"Denn sie wussten, wo der Bach hinfließt..."

alt Viele bekannte Gesichter waren am vergangenen Sonntag in der “Alten Dorfschule” in Himmighausen zu Gast. Der Vortrag zum Thema "Ortsteil Himmighausen-Bahnhof" lockte fast alle "Bahnhöfer" zum Schulcafé. Dr. Josef Stratmann, selbst vom Bahnhof stammend, begrüßte die etwa 100 Anwesenden und wies auf die hohe Anzahl der „(Ex-)Bahnhöfer“ hin. Dr. Stratmann hatte zusammen mit Wilfried Hansen monatelang Materialien und Bilder zusammen gestellt, die den Vortrag untermalten.

In Himmighausen-Bahnhof treffen drei Grenzen aufeinander: Himmighausen, Sandebeck und das Fürstentum Lippe, wie eine Karte von 1830 zeigt. Es ist demnach für die Bahnhöfer nicht immer ganz einfach zu benennen, ob diese nun zu Nieheim oder doch zu Steinheim gehören, da die Flure Himmighausen-Bahnhofs zu unterschiedlichen Städten zählen.

Als 1870 der Bahnhof eröffnet wurde, verband dieser das Ruhrgebiet mit Hannover und diente damit sowohl als Personen- als auch als Güterbahnhof. So wurden beispielsweise rund um den Velmerstod Bruchsteine abgebaut, die dann mit dem Zug von Himmighausen-Bahnhof unter anderem zum Kölner Dom transportiert wurden und anschließend dort verbaut wurden. Das mit dem Bahnhof einiges an Leben in die kleine Ortschaft Himmighausen und ihrem Bahnhof einzog, beweisen die damaligen Geschäfte und Bauten, denn durch den Bau des Bahnhofsgebäudes verbesserte sich die Arbeitssituation der Dörfler schlagartig, da Arbeiter, zum Beispiel zum Streckenbau, benötigt wurden. Um 1895 wurde dann das Postgebäude erbaut, zwei Jahre zuvor baute die Famile Schrader aus Steinheim ein Wohn- und Kaufhaus. Zusätzlich entstand ein Kindererholungsheim, an welches 1911 ein Badehaus und ein Turnhaus für die Kinder angebaut wurde. 1925 kam noch ein Bettenhaus für Kleinkinder hinzu, gegen Ende der 1920er schließt das Kinderheim allerdings. Die Gebäude beherbergten um 1933 dann eine Abteilung des Reichsabeiterdienstes, unter dem beispielsweise Straßen und Uferbefestigungen entstanden. Im selben Jahr wurde die evangelische Kapelle erbaut, die auch heute noch (modernisiert) genutzt wird. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass im Bahnhofsgebäude eine Wirtschaft untergebracht war - allerdings in zwei Klassen unterteilt.
Doch der zweite Weltkrieg ging auch an Himmighausen-Bahnhof nicht spurlos vorbei. Es gab Angriffe von Bombern auf den Bahnhof und die Züge, man weiß aber auch von Abschüssen amerikanischer Flieger. In den 1940ern gab es ein Kriegsgefangenenlager, das zum größten Teil Russen beherbergte. Diese wechselten beispielsweise Bahnschwellen aus. Bestattet wurden die Russen in einem abgetrennten Bereich, Russenfriedhof genannt. Einige Bahnhöfer pflegten die Gräber bis zur Umbettung in den 60er Jahren.

Als Anfang der 60er Jahre das Gasthaus im Bahnhof geschlossen wurde, war das Ende des Bahnhofes bereits abzusehen. Die Post existierte noch bis 1970, drei Jahre später hat es sogar einen Amoklauf im Bahnhofsgebäude gegeben, bei dem aber niemand zu Schaden kam. Im darauffolgenden Jahr wurde das Bahnhofsgebäude geschlossen. Himmighausen-Bahnhof blieb zunächst eine Haltestelle; am 28.05.1989 hielt der letzte Zug, Linie Herford-Altenbeken in Himmighausen-Bahnhof.

Im Anschluss an den Vortrag über die Ortschaft Himmighausen-Bahnhof gab Dieter Meixner, Ur-Bahnhöfer, einige Anekdoten aus seiner Kindheit am Bahnhof zum Besten. Unter anderen spannenden Geschichten, erinnerte sich Dieter Meixner an die fröhlichen Gesichter der Waschfrauen des Heimes in Himmighausen-Bahnhof. Er sagte, dass die Frauen immer lachten, wenn sie die Windeln der Kinder am Bach waschten, "denn sie wussten, wo der Bach hinfließt".

Die drei Referenten und auch die Organisatoren des 9. Schulcafés Renate Hoffmann und Bernd Kukuk waren begeistert von der großen Zuhörermenge und freuen sich auf die kommenden Cafés.

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